
Die zweite Generation 1893-1905
Fidus (Hugo Höppener) (1868–1948)
Der jugendstilorientierte Maler und Illustrator von Büchern, Zeitungen und Plakaten war jahrzehntelang Wallfahrtsziel jugendbewegter Alternativer, die ihn als Inkarnation des Ideals der Lebensreform verehrten. Er beteiligte sich am Giordano-Bruno-Bund, dem Siedlungsprojekt Neue Gemeinschaft, der Deutschen Gartenstadt-Gesellschaft sowie dem Dürerbund und lebte von 1900 bis 1903 in Friedrichshagen in der Straße am Goldmannpark (Villa Amalia).
Gustav Landauer (1870–1919)
Der Schriftsteller und Philosoph engagierte sich schon als Student in der Neuen Freien Volksbühne, bot der Zeitung Freie Bühne Texte an, prägte den Verein Die Unabhängigen Sozialisten und gab dessen Organ Sozialist heraus, beteiligte sich an der Neuen Gemeinschaft. Sein Anarchismus war gewaltfrei idealistisch auf eine genossenschaftliche Umstrukturierung der Gesellschaft auf der Grundlage mündiger Individuen ausgerichtet. Er lebte von 1897 bis 1900 in erster Ehe in Friedrichshagen in der heutigen Peter-Hille-Straße.
Erich Mühsam (1878–1934)
Der anarchistische Dichter, der über die Neue Gemeinschaft in Kontakt zur Literaten- und Lebensreformbewegung kam, war Redakteur des Armen Teufels, der kurzlebigen anarchistischen Zeitung Albert Weidners, hatte in diesem Umfeld enge Kontakte zu Gustav Landauer und Wilhelm Spohr, im kulturellen und kabarettistischen Bereich auch zu Peter Hille und Paul Scheerbart. Er lebte von 1902 bis 1903 in Friedrichshagen in der Ahornallee.
Wilhelm Spohr (1868–1959)
Der Schriftsteller leistete im Dürerbund und der Kunstgemeinde Friedrichshagen kulturelle Bildungsarbeit und bemühte sich noch im hohen Alter in der DDR vergeblich um eine umfassende museale Würdigung des Phänomens »Friedrichshagener Dichterkreis«. Er engagierte sich in der Freien Volksbühne, im Verein Die Unabhängigen Sozialisten und deren Zeitung Sozialist, übersetzte den niederländischen Satiriker Multatuli, propagierte die Werke von Fidus. Er lebte von 1895 bis 1933 in Friedrichshagen.
Albert Weidner (1871–1946)
Der gelernte Schriftsetzer und Buchdrucker, der Verleger und Redakteur mehrerer anarchistischer Zeitungen (Der Arme Teufel, Der arme Konrad) engagierte sich in der Freien Volksbühne, beim Sozialist, schrieb auch in der SPD-Theorie-Zeitschrift Sozialistische Monatshefte Artikel über den Anarchismus, später in der Welt am Montag, einer unabhängigen Zeitung für Politik und Kultur. Er lebte von 1895 bis ca. 1920 in Friedrichshagen. Sein Grab ist auf dem örtlichen Friedhof zu finden.​
Hermann Teistler (1867–1937)
Der Publizist und Herausgeber war in der Freien Volksbühne und maßgeblich im Verein Die Unabhängigen Sozialisten engagiert. Er gründete einen Verlag für anarchistische Literatur und gab Lichtstrahlen heraus, eine Zeitschrift für volksverständliche Wissenschaft und atheistische Weltanschauung. Von 1907 bis 1932 war er Schriftleiter der Niederbarnimer Zeitung, der Friedrichshagener Lokalzeitung. Er lebte seit Anfang der 1890er-Jahre bis zu seinem Tode in Friedrichshagen in der Scharnweberstraße.
​​​​​​​​​​​​​Hermann Büttner (1867–1927)
Der Schriftsteller und Mystiker beteiligte sich an der Neuen Freien Volksbühne. Bruno Wille hatte ihn als »künstlerischen Sachverständigen« vorgeschlagen und widmete ihm später das Gedicht Hahnenschrei. Büttner trat weiterhin in der Neuen Gemeinschaft und im Giordano-Bruno-Bund auf. Er lebte in Friedrichshagen von 1894 bis 1898.
Johannes Schubert (1866/67–1933)
Der Schriftsteller und Philosoph war 1910 Mitbegründer der Kunstgemeinde Friedrichshagen, wodurch er in engem Kontakt mit Bölsche, Wille und Spohr stand. Er lebte in Friedrichshagen von 1901 bis 1904 sowie von 1910 bis 1913.






